Bruno S. - Die Fremde ist der Tod

Regie

Stanley Kubricks Drehbuchautor Terry Southern bezeichnete die Arbeit des Filmemachers und Fotografen Miron Zownir , der Anfang der achtziger Jahre nach Amerika emigrierte und fünfzehn Jahre in New York, L.A. und Pittsburgh lebte, als die eines „Poeten der radikalen Fotografie“. Doch seine Bilder verzaubern nicht, sie tun weh. Seinen risikofreudigen Lebensstationen verdankte Zownir einschlägige Erfahrungen im amerikanischen Untergrund. Sie brachten ihn mit den ungewöhnlichsten Menschen zusammen.
Als Geldeintreiber, Matrose, Drehbuchautor oder Verfasser von Tele-fonsextexten überlebte er, ohne seine Kompromisslosigkeit zu verlieren und verfolgte mit dem unbestechlichen Blick eines Scharfschützen sei-nen eigenen künstlerischen Visionen.
Es entstanden sieben Kurzfilme in den Staaten, u.a. in Zusammenarbeit mit Alexandre Rockwell als Kameramann, der mittlerweile durch seine Filme „In The Soup“ und „Four Rooms“ auch als Regisseur bekannt wurde. Ebenfalls verfilmte Miron Zownir den „New York Marathon“ , produziert von dem japanischen Autor und Regisseur Murakami, dem Zownir seinerseits mehrere Filmideen lieferte.
Als Fotograf schuf Miron Zownir zusätzlich ein Werk über die amerikanische Subkultur in den Metropolen der notorischen Außenseiter, das in seiner Einmaligkeit unbestritten bleibt. Er wurde bei seiner Arbeit wiederholt inhaftiert, attackiert und beinahe getötet, um Bilder aufzunehmen, die noch keinen Betrachter unbeeindruckt gelassen haben.
Viele seiner Fotografien sind inzwischen Zeitdokumente.
So zum Beispiel die Aufnahmen von den „Sex Piers“, dem Homosexuel-lentreff zwischen West Side Highway und Hudson River, kurz bevor die New Yorker Polizei die „Hallen der anonymen Lust“ 1982 für jede Art von Verkehr schließen ließ.
Mitte der neunziger Jahre bereiste Zownir Russland, wo er den rapiden sozialen und moralischen Verfall mit Bildern von Obdachlosen, Kranken Hungernden, Kriminellen und Sterbenden dokumentierte - den Bewoh-nern der dunkelsten Schlupflöcher unserer modernen Gesellschaft.
Zownir gilt als einer der großen existentialistischen Fotografen unserer Zeit. „Seine Bilder sind Ikonen von Lust, Leid, Hunger, Wahnsinn, vom Sterben und vom Tod“, schrieb das Berliner Stadtmagazin TIP über sei-ne schwarz- weiß Fotos, von denen 152 in Radikal Eye – The Pho-tography of Miron Zownir (Die Gestalten Verlag Berlin) erschienen sind.
Mit seinem preisgekrönten Anti–Rassismus-Kurzfilm „Auf offener Stra-ße“, der in zahlreichen deutschen Kinos im Vorprogramm gezeigt wurde, meldete sich der Deutschukrainer Miron Zownir in seiner Heimat zurück. Er lebt inzwischen wieder in Berlin, wo er gerade ein Filmportrait über Bruno S., den letzten Berliner Hinterhofmusikanten und ehemaligen Hauptdarsteller in Werner Herzogs Filmen „Jeder für sich und Gott gegen alle“ und „Stroszek“ abgedreht hat.
( Nov. 2002)
Auch in seinem Romandebüt „Kein schlichter Abgang“ (2002), ent-führt Miron Zownir uns, wie schon zuvor in seiner Fotografie und seinen Filmen, nun ebenfalls als Krimiautor in eine bösartige und feindliche Welt, die er mit seinem unzensierten, distanzlosen Blick als absurde Summe des alltäglichen Wahnsinns zeigt.

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